Wir, die Unterzeichner dieser Erklärung, sind empört darüber, dass FOCUS Online den Regisseur und Filmproduzenten Fritz Poppenberg mit dem Stigma "rechtsextrem" zu belasten versucht. Der Vertrieb eines juristisch unbelasteten Films, der die historischen Hintergründe des Fluges von Rudolf Heß nach England sowie die unklaren Umstände seines Todes im Spandauer Gefängnis zum Thema hat, kann wohl kaum als Parteinahme für die Politik des Nationalsozialismus bewertet werden, wie FOCUS Online suggeriert, zumal die gleiche Aussage bereits im Frühjahr 1989 in einer BBC-Dokumentation gebracht wurde und Gegenstand einer internationalen Presseberichterstattung war. Ebenso wenig können Sympathien für nationalsozialistische Politik daraus abgeleitet werden, dass Fritz Poppenberg den russischen Dokumentarfilm "Der letzte Mythos" vertreibt, worin bekannte russische Regisseure und Autoren der Frage der sowjetischen Kriegsschuld nachgehen und der im russischen TV ausgestrahlt wurde.
Wir fordern die Verantwortlichen von FOCUS Online auf, sich bei Fritz Poppenberg, der mit dokumentarischen Filmen über die Verbrechen des Nazi-Regimes bekannt geworden ist – seine Filme werden beispielsweise vom United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. verbreitet – für den Rufmordversuch zu entschuldigen und eine Richtigstellung zu veröffentlichen.
Richard Rudolf
Überlebender der Konzentrationslager Sachsenhausen und Neuengamme
Max Liebster
Überlebender der KZs Sachsenhausen, Neuengamme, Auschwitz und Buchenwald
(Autor des Buches "Crucible Of Terror - A Story Of Survival Of The Nazi Storm")
Simone Liebster
als Kind in eine Erziehungsanstalt verschleppt
(Vater überlebte KZ Dachau und Mauthausen, Mutter überlebte das Lager Schirmeck Gaggenau,
Autorin des Buches "Facing The Lion - Memoires Of A Young Girl In Nazi Europe")
Hermine Schmidt
Überlebende des KZ Stutthof und des Todesmarsches
(Mutter überlebte Zuchthaus),
Autorin des Buches "Die gerettete Freude" übersetzt in 6 Sprachen
Horst Schmidt
Überlebender des Todestraktes Brandenburg
(sein Vater wurde in Auschwitz ermordet, seine Mutter in Plötzensee hingerichtet. In Berlin ist eine Straße
nach der Mutter von Horst Schmidt - Emmy Zehden - benannt,
Autor des Buches "Der Tod kam immer Montags")
Robert Wagemann
Überlebender des T-4-Programms zur Vernichtung unwerten Lebens
Franz Wohlfahrt
Überlebender des Lagers Rollwald
(sein Vater wurde von den Nazis ermordet)
Kornelia Gawior
Überlebende des KZ Stutthof und des Todesmarsches
Magdalena Reuter
Überlebende des KZ Ravensbrück
(zwei Brüder wurden von den Nazis ermordet)
Ruth Danner
Überlebende verschiedener Lager
(sie wurde als 9jährige von den Nazis verschleppt).
Henryk Dornik
überlebte das KZ Groß-Rosen und weitere Lager
Autor des Buches "Wytrwalem dzieki milosci Bozej"
Unterschriftenliste wird fortgesetzt!
Robert Buckley
Consultant to the United States Holocaust Memorial Museum Washington D.C., USA
(Organisator der Filmtour 2008 mit dem Regisseur Fritz Poppenberg und seinem Film
"The Girl With the Purple Triangle" durch die USA, u.a. Vorführungen im United States
Holocaust Memorial Museum Washington D.C sowie der Amerikanischen Jüdischen
Universität von Los Angeles)
Dr. Salome Turnburger, USA
Prof. Dr. Werner Dewitz
Lieber Herr Poppenberg,
die Erklärung unterschreibe ich aus vollem Herzen. Ich kenne Sie nun seit über 30 Jahren
und habe voller Hochachtung Ihre Bemühungen um die Aufarbeitung der Naziverbrechen
begleitet. Sie in die rechte Ecke zu drücken, ist eine Unverschämtheit und spottet jeder
Beschreibung!
Herzlichst
Ihr W. Dewitz
Prof. Dr. Karl-Heinz Gensch
Dr. Angelika Pokropp-Hippen
Dr. Waldemar Hirch
Historiker
Dr. Peter C. Düren
Dr. Eduard Werner
Stellungnahme zum Bericht von focus-online über den Kongress von "Kirche in Not" vom
11. bis 13.04. in Augsburg
In diesem Bericht wird der Berliner Regisseur Fritz Poppenberg in die Nähe des Nationalsozialismus bzw. der NPD gerückt. Da ich Herrn Poppenberg seit Jahren als einen unabhängig denkenden Menschen kenne, halte ich diesen Vorwurf für unberechtigt. Es ist vielmehr ein Verdienst von Herrn Poppenberg, dass er in seinen Filmen auf die vergessene Opfergruppe der Zeugen Jehovas in den KZs aufmerksam gemacht hat. Dies hätte er nicht tun können, wenn er – wie FOCUS Online suggeriert – rechtsextrem wäre. Wie ich aus meiner eigenen Arbeit mit dem christlichen Widerstand gegen das NS-Regime weiß, stellten die Zeugen Jehovas vor allem bei den Todesurteilen wegen Kriegsdienstverweigerung die weitaus größte Opfergruppe. Es war höchste Zeit, auch diesen Opfern die gebührende Anerkennung zukommen zu lassen. Dafür gebührt Herrn Poppenberg Dank und Anerkennung. Ich finde die Handlungsweise von focus-online sehr traurig.
Unterschriftenliste wird fortgesetzt!
Wie wirksam man hierzulande mit der "Nazikeule" nieder geschlagen werden kann, das haben inzwischen viele zu Unrecht Beschuldigte am eigenen Leibe schmerzlich erfahren müssen. Nicht nur der Verlust des Arbeitsplatzes sowie das Verbot der Berufsausübung sind oftmals die Folgen. Das Stigma, öffentlich durch einen Journalisten zur Unperson erklärt worden zu sein, kann nicht nur das Lebenswerk beenden, sondern manchmal sogar die Existenz.
Seitdem ich Filme drehe, engagierte zudem, haben Gegner immer wieder versucht, mich mit Unwahrheiten und teilweise auch verleumderischen Behauptungen zu Fall zu bringen, wobei es interessanter Weise meist Journalisten waren, die sich nicht nur empfänglich für das Geraune von Unwahrheiten erwiesen, sondern es sogar begierig aufgriffen: Landauf landab war beispielsweise zu lesen, dass ich zu der "rechten Psychosekte VPM" gehöre. Seltsam nur, dass ich von dem Verein bis dato noch nie gehört hatte! Wenig später war zu lesen, dass meine Filmproduktionsfirma Drei Linden Film eine verkappte Zeugen Jehovas-Firma sei, hinreichender Grund, mich zu meiden. Wieder daneben. Dann: Ich würde durch meine gefährlichen Filme die AIDS-Prävention torpedieren. Erstaunlich, denn mein "gefährlicher" Film DIE AIDS-Rebellen erhielt das Prädikat "Besonders Wertvoll", immerhin die höchste Auszeichnung einer Bundesstelle. Dann hieß es, dass ich im Auftrag der Evangelikalen hoch gefährliche Filme drehe und dergleichen Unsinn mehr. Was von derlei Geschreibsel zu halten ist, wird rasch verstehbar, wenn die zweifelhaften Urheber in Augenschein genommen werden. Einige von ihnen, so der polytoxikomane Zitty-Journalist Tom Kuppinger, der vermutlich das Opfer seines "emanzipierten" Lebenswandels wurde, leben nicht mehr, doch andere, wie der ehemalige Stasimitarbeiter Manfred Gebhard (Stasideckname: Kurt Berg) agieren seit Jahren gegen mich – flankiert von Leuten wie Hansjörg Hemminger aus der obskur erscheinenden Zentrale für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche.
Nun hat sich dieser illustren Gruppe eine weitere Gestalt mit Namen Harry Luck zugesellt. In dem Artikel "Glaubenspaket für 20 Euro", erschienen bei FOCUS Online, berichtet Harry Luck vom "Kongress Weltkirche", der Mitte April in Augsburg stattfand und auf dem Drei Linden Film neben vielen anderen Organisationen mit einem Stand vertreten war. In diesem Artikel, so der Kommentar eines Bekannten, der mich darauf aufmerksam machte, suggeriert Harry Luck einen ganzen Katalog von mehr oder weniger zweifelhaften Anschuldigungen, die wohl das Ansehen und die Glaubwürdigkeit meiner Person in frage stellen sollen:
All diese Punkte zusammen genommen ergeben – so mein Bekannter, der übrigens Jurist ist, tatsächlich ein rechtsextremes Bild von meiner Person. Harry Luck hätte also ganze Arbeit geleistet und allemal einen Nazi-Jäger-Orden verdient, wäre da nicht die Wahrheit, die hier ein Wörtchen mit zu reden hat:
Anders, als Harry Luck verbreitet, bin ich nämlich von der Leitung des Kongresses offiziell eingeladen worden, mit einem Stand teil zu nehmen. Zudem verschweigt Harry Luck, dass Ausschnitte aus meinem Film "Maria und ihre Kinder" auf dem Kongress vor hunderten von Menschen gezeigt wurden, die mit anhaltendem Beifall darauf reagierten, ich also keineswegs als unseriös oder gefährlich wahr genommen wurde, sondern einen konstruktiven Beitrag leistete.
Es ist auch nicht zutreffend, dass ich für den Film "Geheimakte Rudolf Heß" auf dem Kongress geworben habe, denn er liegt thematisch auf anderem Gebiet. Der Film ist lediglich in einem Vertriebsprogramm enthalten. Offensichtlich ein gefundenes Fressen für Herrn Luck.. Auch die Filme "Der Maler Heinz Tetzner" oder "Das Mädchen mit dem lila Winkel" und viele andere aus dem Vertriebsprogramm von Drei Linden Film wurde aus gleichem Grunde auf dem Kongress nicht werblich herausgestellt, doch das verschweigt Harry Luck und lenkt damit den Leser in die falsche Richtung.
Übrigens: Anders als Harry Luck zu suggerieren versucht, ist das Interesse an der Geschichte des Rudolf Heß sowie an seinem rätselhaften Tod keineswegs gleichbedeutend mit Sympathien für den Nazi-Führer. Das beweist schon eine BBC-Dokumentation aus dem Jahre 1989, deren Aussage inhaltlich mit der von Drei Linden Film, Polarfilm und anderen Distributionsfirmen vertriebenen DVD "Geheimakte Rudolf Heß" identisch ist und nicht von Neonazis gemacht wurde. Für den doch sonst so engagierten "Journalisten" Harry Luck scheint der rätselhafte Tod des Rudolf Heß aber kein Thema zu sein, selbst dann nicht, wenn selbst der ehemalige US-Militärkommandant des Kriegsverbrechergefängnisses Spandau, Eugene Bird, in "Geheimakte Heß" erklärt, dass Heß ermordet wurde. Für jeden echten Journalisten, sollte man meinen, eine Top-Story! Für Harry Luck, wie es scheint, wohl nur der Anlass, mich zu diskreditieren, zum Beispiel durch die Behauptung, dass der Autor von "Geheimakte Heß", Prof. Dr. Michael Vogt, wegen seiner Nähe zur NPD von einer Hochschule suspendiert worden sein soll.
Focus online musste inzwischen unter Androhung gerichtlicher Schritte die "Nähe zur NPD" streichen.
Um meine angebliche Rechtslastigkeit zu fabrizieren, erwähnt Harry Luck noch einen zweiten Film (Der letzte Mythos) aus
meinem Vertriebsprogramm. Betont sei, dass dieser Film auf dem Kongress ebenfalls nicht angeboten wurde. Da Harry
Luck jedoch glaubt, ihn und damit mich stigmatisieren zu können, sei hier kurz darauf eingegangen: Bekannte
russisch-jüdische Autoren gehen im Film der historisch allemal interessanten Frage nach, welchen Anteil Stalin am
Zweiten Weltkrieg hatte. Der Film wurde in Russland mehrfach im TV ausgestrahlt. Wie aktuell die Fragestellung
dieses Films ist, zeigt dass Erscheinen des Buches
"Kampfplatz Deutschland" des weltbekannten polnischen
Historikers Bogdan Musial, der sicht auf Originaldokumente bezieht und zum ähnlichen Ergebnis kommt wie der Film,
nämlich dass Stalin einen gigantischen Angriffskrieg gegen den Westen und das heißt in erster Linie gegen
Deutschland vorbereitet hatte.
Im Gegensatz zum Online-Schreiber Harry Luck besprechen Journalisten fast aller großen Zeitungen das Thema
des Musial-Buches ohne politisch gefärbte Scheuklappen (Bsp.:
Der Tagesspiegel vom 28. April 2008).
Und um den letzten Vorwurfspunkt des sogenannten Online-Journalisten aufzugreifen, wonach ich in einem meiner Filme die Theorie von "der Abstammung des Menschen vom Affen als das Produkt verirrter Wissenschaft und Politik" darstelle, so fällt das hohe Maß an Desinformation auf, mit dem Harry Luck seine Leserschaft traktiert. Denn tatsächlich ist das mir untergeschobene Zitat seine eigene Erfindung. In der Drei Linden Film Broschüre heißt es an der betreffenden Stelle nämlich : "Doch der Affenmensch blieb eine Fantasie verirrter Wissenschaft und Politik". Diese Formulierung bezieht sich auf den erfolglosen und abartigen Versuch sowjetischer Wissenschaftler, afrikanische und russische Frauen mit Affensperma zu befruchten, um eine Kreuzung von Mensch und Affe zu erreichen, was übrigens aus ethischen Gründen von der französischen Verwaltung von Guinea verboten wurde und in meinem Film "Der Fall des Affenmenschen" zu sehen ist. Was an dem Originalzitat verwerflich sein soll, dass wird wohl das Geheimnis des Herrn Luck bleiben.
Ergebnis:
Wie schon erwähnt, wird Harry Luck für sein "20-Euro-Glaubenpaket" (klingt ein wenig wie 30 Silberlinge) wohl kaum
den begehrten Nazi-Jäger-Orden erhalten. Wer sollte ihn auch überreichen? Robert Buckley (Consultant to the United
States Holocaust Memorial Museum in Washington DC), der vor wenigen Tagen mit mir und einem meiner Filme eine
Filmtour durch verschiedene Städte der USA durchführte, bestimmt nicht. Und wohl ebenfalls Dr. Michael Berenbaum nicht
(er war maßgeblich am Aufbau des US Holocaust Memorial Museums in Washington DC und ebenso am Aufbau der
von Steven Spielberg ins Leben gerufenen Shoah Foundation beteiligt), der kürzlich an der American Jewish University
of Los Angeles die Eröffnungsrede hielt, als mein Film The Girl With the Purple Triangle" vor ausverkauftem Saal
vorgeführt wurde. Und auch ganz bestimmt nicht die Überlebenden des Nazi-Terrors, deren Geschichten in meinen Filmen
erzählt werden.
Ich habe nichts dagegen, wenn im öffentlichen Meinungskampf im Interesse der freien Rede Schärfen und Überspitzungen in die Berichterstattung Eingang finden. Allerdings sollte dort die Grenze sein, wo in unsorgfältiger Weise eine Unterstellung (Rechtsextremismus) durch Verzerrungen und ungenaue Zitate legitimiert werden soll. Bedenklich ist auch, dass Publikationsorgane wie FOCUS-Online sich auf so etwas einlassen. In letzter Zeit wird viel über die Beschneidung der Pressefreiheit gesprochen. Vielleicht hängt diese Frage mit der sich mehr und mehr auflösenden journalistischen Ethik zusammen. "Erlaubt ist, was sich verkauft und nicht vom Gericht verboten wird", auch wenn dabei Existenzen zugrunde gehen und Menschen diskreditiert werden.
Trotzdem, meine Tür ist auch für Herrn Luck offen. Vielleicht findet er eines Tages die Kraft mir zu berichten, wer oder was ihn zu einem Angriff gegen mich verleitet hat. Denn vergessen wir nicht: wir alle sind nur Menschen!
Fritz Poppenberg, Mai 2008